Zwerge

Das Wort Zwerg lautet oberpfälzisch Zwargl. Im Südosten, am Böhmerwald, heißen sie Razen, Ratzeln, Schrazen, Schrazeln, Strazeln, an der Zott, einem Nebenflüsschen der Pfreimd auch Fankerln, und im Fichtelgebirge schließlich nennt man sie Hankerln.

Der Zwergenkönig

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Ein Burgfräulein ging mit ihrer Amme am Wasser spazieren. Da tanzte vor ihren Augen ein spitzes graues Hütchen auf dem Wasser. Die Amme sah aber nichts. Sie ging nun öfter ans Wasser, und immer näher tanzte das Hütchen heran und war zuletzt vor ihren Füßen. Nicht lange, und das Hütchen setzte sich ihr auf den Kopf.
Nun ging sie einmal allein herab aus dem Schloss ans Wasser, wieder setzte sich das Hütchen ihr auf den Kopf, und da sie nahe am Ufer stand, glitten ihr die Füße aus, und sie sank hinab in die Fluten. Da aber nahmen sie die Zwerge auf und pflegten sie auf das Sorgsamste. Der König verliebte sich sogar in die schöne Jungfrau und bot ihr seine Hand an. Als er mit seinem Antrag zurückgewiesen wurde, bat er die Maid, sie möge nur bei ihnen bleiben. Er wäre schon zufrieden, wenn er sie sehen könne.

Und nun ließ er ihr einen großen Kristallpalast bauen und ging immer um denselben herum, nur um die Jungfrau zu sehen. Jeder ihrer Wünsche wurde erfüllt. Doch begann sie bald Langeweile zu haben und sich wieder auf die Erde zu sehnen. Auf ihr Verlangen brachten ihr die harmlosen Zwerge sogar das Hütchen, mit dem sie herabgefahren war. Sie setzte es schnell auf, und sogleich war sie auf dem Land, bedeckt mit dem schönsten Perlenschmuck, den ihr der Zwergenkönig zum Geschenk gemacht hatte.
In: Sitten und Sagen Bd. 2, S. 182 ff.,

Der Hankerlkönig hätte auch anders reagieren können.
Zwerge, Hankerl, Venetianer werdel als Bergleute mit übersinnlichem Wissen beschrieben. Wozu brauchte man die Schätze der Berge wie Zinn, Kupfer, Quecksilber, Gold, Mangan, Kaolin...
In der Oberpfalz gibt es berühmte Fundorte für Halbedelsteine bzw. Mineralien, z. B. Hagendorf, Pleystein...
Der Besuch einer Mineraliensammlung wäre lohnenswert.

Kunstobjekt: Zwergenkönig und Kristallspitze von Engelbert Süß, Pfreimd
Der Zwergenkönig hat es nicht geschafft, die Zuneigung des schönen Burgfräuleins zu erringen, auch wenn er ihr sogar seine Krone geschenkt hätte.
Die Bronzefigur des "Hankerl" sitzt als König im Brokatmantel vor seinem Palast mit der leuchtenden Kristallspitze, begrüßt die Gäste und erzählt von seiner unerwiderten Liebe, liebenswürdig, bittend, anrührend.

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Bildergalerie

Der Zwergenpalast. Beginn der Arbeiten.
Der fertige Zwergenpalast.
Aufsetzen der Kristallspitze.
Die Kristallspitze von unten.
Steinmetz Hutzler schleift den Thron zurecht.
Der Zwergenkönig vor seinem Palast.
Die Zwerge bei ihrem König.

Richtfestfeier "Palast des Zwergenkönigs"

Spruch des Zimmerermeisters Anton Ruhland anlässlich der Richtfestfeier beim "Palast des Zwergenkönigs" im Schönwerth-Märchenpfad beim Walderlebniszentrum Regensburg in Riegling/Sinzing am 28. Mai 2014

Mit Gunst und Verlaub
seid alle froh gegrüßt
ihr all dort unten,
die ihr euch habt hier eingefunden.

Der Richtspruch gilt dem ersten Bau,
auf den ich stolz nun herunterschau.

Ein Bergwerkstollen steht hier unten,
den Schönwerth-Märchen nachempfunden.

Mit dem Bau soll uns gelingen,
den Kindern und Eltern
die Schönwerth-Märchen
näher zu bringen.

Den Bauherrn, den Planern und Handwerkern
sei Dank angebracht,
die dieses schöne Werk erdacht.

Von Hagel, Blitz und Feuersbrunst
schütze es Gott mit seiner Gunst.

Drum will ich nun mein Glas erheben:
Die Schönwerth-Gesellschaft
soll dreimal leben!

Hoch! Hoch! Hoch!

Zimmerermeister Anton Ruhland aus Pfreimd und sein Spruch
Dr. Eichenseer, Architekt Naumann und Norbert Hanke begutachten den Bau.

Ehepaar Eichenseer zufrieden unter dem Richtbaum.

 

Wasserzwerge

Wasserzwerge oder Wassermännlein sind geisterhafte Wesen, die gern mit den Menschen verkehren. Sie tragen spitze, glasartig glänzende Hütchen, an Feiertagen weiße, an Werktagen mausgraue Röckchen. Sie wohnen nur in klarem Wasser, und die Männer verlieben sich sogar manchmal in menschliche Mädchen. Sie arbeiten mit edlen Perlen und machen daraus kunstfertiges gläsernes Geschirr.
Im Wasser haben sie ihre Kristallpaläste mit vielen Gemächern und Gängen. Einmal zog ein arges Donnerwetter auf, der Blitz schlug in das Wasser und zerschmetterte ihren Palast. Das Wasser aber gischte am Feuerstrahl hoch und damit wurde ein Teil der Zwerge, Männer, Weiber und Kinder hinausgeschleudert auf die Erde. Weil sie ihre Hütchen unten gelassen hatten, konnten sie nicht mehr hinab in die Flut, sondern mussten oben verbleiben. Das sind nun die Bergzwerge, die Bergmännlein.

Einmal sahen Menschen einen Zwerg auf dem Wasser daherhupfen und tanzen und mit seinem Hütchen spielen, das er immer in die Höhe warf und wieder fing. Sie fragten ihn, wie es denn da unten bei ihm aussehe. Er sprang zu ihnen hin und sagte: "Was gebt ihr mir, wenn ich es euch sage?" Gerne versprachen sie ihm ein paar Kreuzer, und er erzählte: "Wir Zwerge leben unter Wasser, Wasserzwerge, genauso wie ihr Menschen auf der Erde, mit denselben Zimmern und Gängen, nur etwas kleiner. Wenn uns die Menschen etwas zu essen bringen, helfen wir gerne bei der Arbeit. Bei der Jagd gehen wir sogar voraus und zeigen ihnen das Wild. Waldfrevler können wir nicht leiden."