Auf Schönwerths Spuren. Schönwerth-Sagen- und Märchenpfad im Zottbachtal

bei Neuenhammer, Gde. Georgenberg, LK Neustadt a. d. Waldnaab.

Eine Begegnungsstätte von Kultur, Kunst und Natur zur Förderung des regionalen grenznahen und grenzüberschreitenden Tourismus und der Vertiefung des "Heimatgedankens" in der nördlichen Oberpfalz in der Zusammenarbeit mit der Gemeinde Georgenberg, VG Pleystein, Landkreis Neustadt a. d. Waldnaab, Heimatvereinen und Heimatpflegern.

Idee - Projektanlass

Franz Xaver von Schönwerth, der bedeutendste Oberpfälzer Märchen- und Sagensammler und herausragender Volkskundler  hat für seine geliebte Heimat, die Oberpfalz, unendlich viel geleistet. Diese Leistung des Generalsekretärs von König Max II und des bayerischen Gelehrten, dem u.a. die große Bewunderung der Brüder Grimm galt, ist bisher nicht gebührend bewertet und gewürdigt worden. vgl. (https://de.wikipedia.org/wiki/Franz_Xaver_Sch%C3%B6nwerth)

Fachleuten ist er vor allem bekannt durch sein dreibändiges Werk "Aus der Oberpfalz - Sitten und Sagen" (1857-1859), das zur Ausbildung einer kulturellen Identität seiner Landsleute beigetragen hat. Sein immenses Sammelwerk, das bis heute nur zu einem kleinen Teil publiziert worden ist, gehört zu den "bedeutendsten Beständen seiner Art im deutschsprachigen Raum" (Prof. Dr. Daniel Drascek, Lehrstuhl für vergleichende Kulturwissenschaften an der Universität Regensburg). Trotz mehrfacher Initiativen, die Persönlichkeit und das Werk Schönwerths bekannt zu machen, geriet er fast in Vergessenheit.

Diese Defizite bei einer gerechteren Beurteilung und angemessenen Bewertung der Person Franz Xaver von Schönwerth und seines Lebenswerks wollte die 2009 gegründete Franz Xaver von Schönwerth-Gesellschaft gründlich beheben. Sie hat durch zahlreiche Publikationen, Vorträge, Lesungen, Symposien und sonstige Veranstaltungen wie Musicals und Theateraufführungen sowie Schulprojekte in den letzten sechs Jahren viel erreicht, vor allem durch das persönliche Engagement seines Präsidenten, Herrn Dr. Adolf Eichenseer (gest. 2015) und durch die Publikationen und Lesungen seiner Frau Erika Eichenseer.

Dieses Ziel ist auch in der Satzung § 4 der Gesellschaft verankert:

§ 4.1. Zweck des Vereins ist es, das Andenken an den großen Oberpfälzer Sprachforscher und Volkskundler, Sagen- und Märchensammler Franz Xaver von Schönwerth (1810 - 1886) zu fördern, sein ganzes volkskundliches Werk einer breiten Öffentlichkeit bekannt zu machen, seinen Nachlass weiter zu bearbeiten, insbesondere die Märchen- und Sagenforschung sowie das Märchen- und Sagenerzählen in der Oberpfalz zu unterstützen. Dies soll durch Lesungen, Vorträge, Veröffentlichungen, Ausstellungen, Aktionen, Rundfunk- und Fernsehsendungen etc. geschehen. Die Organisation und Durchführung des sog. Schönwerth-Jahres 2010 in der ganzen Oberpfalz bilden dabei einen ersten Schwerpunkt der Aktivitäten.

Im Rahmen von Aktionen gemäß Satzung wurde im September 2014 in der Gemeinde Sinzing der erste derartige Märchenpfad in der südlichen Oberpfalz eröffnet.

(http://www.landkreis-regensburg.de/Freizeit-Tourismus/Naturerlebnisse/SchoenwerthMaerchenpfad.aspx)

Wahl des Projektortes

Für das jetzige Projekt: Auf Schönwerths Spuren. Schönwerth-Sagen- und Märchenpfad im Zottbachtal bietet sich vor allem (als Pendant zu Sinzing) die nördliche Oberpfalz und speziell der Ort Neuenhammer am Zottbach und Umgebung an. Nur hier ist eine natürliche Verortung von Natur, Kultur und Kunst möglich.
Neuenhammer, Gde. Georgenberg, war die Heimat von Michael Rath und seiner Tochter Maria, der späteren Frau Schönwerths. Michael Rath war Eigentümer des dortigen Hammerschlosses mit der barocken Schlosskirche. Es ist jene oberpfälzische Landschaft mit der größten Dichte der von Schönwerth gesammelten Märchen und Sagen, und im Wirtshaus zu Neuenhammer kamen die Sammler zusammen, um ihre Funde zu sichten, zu prüfen und zu bearbeiten. Neuenhammer ist daher also geradezu prädestiniert für eine Errichtung  dieses "künstlerischen Erlebnispfades, eines Sagen- und Märchenpfads im Zottbachtal nach dem sehr erfolgreichen Modell vom Sinzinger Märchenpfad bei Regensburg.

Projektkonzeption (allgemein)

Für eine kostengünstige Umsetzung dieses Projekts "Schönwerth-Sagen- und Märchenpfad im Zottbachtal" eignet sich vorzüglich ein Teilstück des „Glasschleifererweges“ zwischen Neuenhammer und Prollermühle, etwa 1 km einfache Strecke am Zottbach entlang. Da der ausgeschilderte Glasschleifererweg wegetechnisch für den Erlebnispfad weitgehend mit genutzt werden könnte, dürften größere finanzielle Aufwendungen für die Anlage des Wegenetzes nicht anfallen.

Inhalt und Umfang des Märchenpfades

Der geplante Märchenpfad ist inklusiv Hin- und Rückweg ca. 1,6 km - 1,8 km lang. Die für diesen Pfad ausgewählten "Märchen- und Sagenfiguren" sollen aus Schönwerth-Märchen und Sagen stammen, vor allem von jenen, die in der Gegend von Neuenhammer von Schönwerth und seinen Gewährsleuten gesammelt bzw. aufgezeichnet wurden. Schwerpunkte innerhalb dieser Märchen und/oderSagen sollen jene zur Thematik: Eisen, Holz/Wald, Glas und  Stein sein.  Neben den sechs Stationen wäre an den beiden Pfad-Enden jeweils ein Informationspunkt mit erweiterten Informationstafeln, einer davon mit einer Unterstandsmöglichkeit notwendig. Neben der künstlerischen Gestaltung der einzelnen Stationen selbst müssen für jede Station eigene Texttafeln bzw. Textstelen errichtet werden.

Umsetzung der Sagen- und Märchenthemen durch Künstler

Gemäß dem Grundkonzept sollen auf der gesamten Strecke sechs "Märchen- oder Sagenstationen" von Künstlern der Region und des benachbarten Tschechien gestaltet werden. Die Umsetzung der Sagen- und Märchenthemen selbst soll in künstlerisch anspruchsvoller Weise und in didaktischer Aufarbeitung mit Künstlern erfolgen, welche in   ihrer bildhauerischen Arbeitsweise natürlichen Materialien wie z.B. Holz, Glas, Stein und Metall verbunden sind.
Die Künstler werden aus der regionalen Kunstszene ausgewählt. Die Teilnahme am Wettbewerb wird mit einer Unkostenpauschale von 250,00 € für nicht zur Ausführung kommende Entwürfe vergütet, bei den anderen Arbeiten wird das Honorar durch den Auftrag vergütet.

--> Wettbewerbsausschreibung

Ausgewählte Märchen und Sagen

Positions- und Textvorschläge von Erika Eichenseer

  • Station 1: Der Brunnen vor dem Neuenhammer
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  • Station 2: Die Wasserfrau (am Wehr)
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  • Station 3: Furt im Zottbachtal
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  •  Station 4: Der Mond im Brunnen
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  • Station 5: Hulzfral
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  • Station 6: Die feindlichen Köhler
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Station 1: Der Brunnen vor dem Neuenhammer

Im Rachen des Wassermanns*

Viele schöne Mädchen badeten gern im Dorfweiher, und jedes Mal wurden sie dadurch noch schöner. Die Schönheiten zogen natürlich die jungen Männer aus Nah und Fern an, und schließlich wurde an einem Tag von allen Hochzeit gehalten.

Doch die Bräute hatten ein böses Geheimnis. Die enttäuschten Ehemänner schlugen sie und holten den Richter. Sie sollten auf dem Scheiterhaufen ihre Schuld büßen.

Doch da tauchte des riesige Haupt des Wassermanns auf, er rettete die Mädchen in seinem Rachen.

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Station 2: Des Windes Heulen (am Wehr)

Ein glückloser Förster findet an einem Brunnen eine wunderschöne Frau, in die er sich gleich verliebt. Sie willigt in die Hochzeit ein, doch nur unter der Bedingung, dass sie an jedem Donnerstag frei sein darf. Fast 14 Jahre dauert diese Ehe, dann überkommt ihn die Neugier, und er verliert alles. Seitdem muss sie bis zum Jüngsten Tag mit ihren Kindern um das Haus fliegen, des Windes Heulen ist ihre Sprache, der Wirbelsturm ihre Speise und ihre Tränen ihr Trank. Hätte er zweimal sieben Jahre ausgehalten, wäre sie erlöst gewesen.

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Station 3: Heiliger St. Georg, hilf! (Furt)

Der Knecht eines Pfarrers musste mit seiner Pferdekutsche durch eine Furt in der Zott fahren, da sank der Wagen ein und mit ihm die Pferde. „Heiliger St. Georg, ihr Wasserfräulein alle, helft mir!“ konnte er gerade noch stammeln. Da konnte er Wagen und Pferde befreien und war gerettet. Er hatte einen Gürgengroschen um den Hals.

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Station 4: Der Mond im Brunnen

Wenn der Mond in einen Brunnen scheint, soll man nicht daraus trinken. Ein Mädchen holte zum Brotbacken Wasser aus einem mondbeschienenen Brunnen, da riss der Mühlbach ab und schwemmte die Laibe hinaus aufs Wasser. Der Laib mit dem Mond weichte auf, und der Mond schaute heraus.

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Station 5: Hulzfral (längeres Wegstück)

Hulzfral, Holzfralerl, Holzweibl sind kleine, achtsame Wesen, die mit Baummoos bekleidet sind, heiraten und Kinder haben können. Sie gelten als Arme Seelen, die in ihren Häusern helfen dürfen.

Durch ein Holzfräulein erfährt der Kaiser von dem überaus wertvollen Karfunkelstein. Er will ihn besitzen und setzt Belohnungen aus. Ein Bauer sollte hingerichtet werden. Da denkt er an den Stein, und wiederum ist es das Holzfräulein, das ihn auf die richtige Spur weist. Der Kaiser begnadigt den Bauern und belohnt ihn fürstlich. Der Stein war ein Lichtstein, der alles hell erleuchten konnte.

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Station 6: Die feindlichen Köhler

Hinz und Klaus waren beide benachbarte, verfeindete Köhler, Hinz jähzornig, böse und reich, Klaus friedlich, aber arm und glücklos. Die Tochter von Klaus beobachtete einmal eine Ameise, die immer um des Vaters Meiler lief, dann brach dort Feuer aus. Klaus schlug auf die Ameise ein, da brüllte Hinz drüben vor Schmerzen. Er wurde schwarzbraun im Gesicht und gab die Schuld dem Klaus. Von dessen Stab aber tropfte Blut. Den einen hat der Teufel geholt, der andere wurde davongejagt.

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Infotafel

Ende oder/und Anfang des Weges: Schönwerth und sein Werk Erweiterungsmöglichkeit des Pfades bis zur Prollermühle.