Station 5: Holzfräulein

Holzfräulein

Es kommt vorzüglich am oberen Böhmerwald vor und gehört zu den Waldgeistern, weil es sich besonders am dichten Walde aufhält. Sein Gewand ist aus Mies, d.i. Moos, das wie ein Seil von den Bäumen hängt.

Sie sind ganz klein, haben auf dem Ofen, auf einem Baumstock Platz, und gelten als Arme Seelen, welche von den Holzhetzern gar oft gehetzt, gefangen und zerrissen werden. Sie heißen Moosweiblein, Hulzfral, Holzfralerl, Holzweibl.

Sie leben in der Ehe paarweise zusammen und bekommen Kinder. Wenn man ihnen Gutes tut, vergelten sie es mit Geld. Sie waschen das Gesicht mit dem Tau auf den Frauenmäntelchen, den Leib ziehen sie durch den Tau der Wiese. Mit Wollmoos trocknen sie sich ab, oder mit alten Fetzen, die ihnen die Leute schenken. Neuenhammer.

Holzfräulein und Karfunkelstein

Ein Kaiser bekam Besuch von einem Holzfräulein. Mitleidig sagte er: „Du bist doch ein recht armes Weiblein, dein Kitterl ist gar schlecht.“ Das Holzfräulein war gar nicht verlegen und fragte den Kaiser, ob er meine, er sei reich. „Ich kenne einen Stein, Karfunkelstein wird er genannt. Ein kleiner Stein davon, wie ihn ein Vogel im Schnabel tragen kann, ist mehr wert als dein ganzes Königreich!“ Der Kaiser wurde neugierig und sandte seine Boten durchs ganze Land. Doch keiner brachte ihm den Stein.

Damals sollte ein Bauer unschuldig hingerichtet werden. Er jammerte und weinte und dachte: „Hätte ich doch nur so einen Stein, würde mir vielleicht das Leben geschenkt!“

Kaum gedacht, steht ein Holzfral vor ihm und sagt: „Geh zu der hohen Tanne im Wald, auf der sitzt ein Vogel mit dem Stein im Schnabel. Nimm ihn und bringe ihn dem Kaiser, er wird dir das Leben schenken!“ Der Bauer ist überglücklich und will den Holzfräulein danken. „Ich brauche keinen Dank, dafür aber soll dein Weib, so oft sie backt, einen Kuchen für mich mitbacken.“ Damit verschwindet das Holzfräulein, und der Bauer geht zu der Tanne und findet den Vogel mit dem Stein. Dafür schenkt ihm der Kaiser das Leben und belohnt ihn zudem noch reich.

Der Stein hatte nämlich die Eigenschaft, dass er das Zimmer, in dem er lag, so hell erleuchtete, als wäre es voll Lichter.

Wildenreuth202 414