Auf Schönwerths Spuren.

Der Schönwerth-Sagenweg im Zottbachtal

Eine Begegnungsstätte von Natur, Kultur und Kunst in Neuenhammer.

Der etwa 800 Meter lange Schönwerth-Sagenweg bei Neuenhammer im  Zottbachtal, nahe Pleystein, Vohenstrauß und der tschechischen Grenze soll dem Andenken an Franz Xaver von Schönwerth gewidmet sein, dem großen Forscher und Sammler, der um die Mitte des 19. Jahrhunderts hier in der Region um Neuenhammer zahlreiche Geschichten aus mündlicher Überlieferung gefunden und aufgeschrieben hat.

Allein oder gemeinsam in der Gruppe vermag der Besucher Zwiesprache zu halten mit der Vergangenheit und vergangenen Generationen. In der Schönwerth-Sagenwelt erhält er nicht nur die notwendigen Informationen über Schönwerth, sein Werk und speziell die sieben Sagen, die sich hauptsächlich um die Wasserwelt und ihre mythischen Bewohner drehen, sondern er wird auch zur individuellen Interaktion  mit der Materie wie mit anderen Menschen angeregt.

Hier ein Beispiel von Günter Mauermann, der in der Sage “Die Goldene Schuppe” den verzweifelten Knaben inmitten der Verstrickung mit der Nixe in Granit gehauen hat.

1.  Wusstest du?

  • Franz Xaver von Schönwerth war der bedeutendste Sammler von Sagen, Märchen, Legenden, Sprichwörtern und Bräuchen in der Oberpfalz und in Bayern.

  • Der immense Quellenfundus, der bisher nur zu einem sehr geringen Teil publiziert worden ist, gehört zu den bedeutendsten Beständen seiner Art im deutschsprachigen Raum.

  • Neuenhammer und Umgebung ist jene oberpfälzische Landschaft mit der größten Dichte der von Schönwerth gesammelten Märchen und Sagen. 

  • Schönwerths Märchen waren 150 Jahre aus dem Fokus der Öffentlichkeit gerückt, bis Erika Eichenseer sie ans Licht brachte und durch viele Publikationen wiederbelebte.

2.  Öffnung

Führungen finden nur statt in der wettermäßig guten Jahreszeit.
Ohne Führung ist der Pfad ganzjährig kostenfrei begehbar.

3.  Anfahrt

Navi: 92697 Neuenhammer (Georgenberg bei Pleystein)

4. Konzept und Ausführung

Konzept: Dr. Adolf Eichenseer, Erika Eichenseer

Ausführung: Gemeinde Georgenberg, der Franz Xaver von Schönwerth-Gesellschaft, regionale Künstler 

--> Ausführliche Information zum Konzept

5. Handreichung für Lehrer*innen

Zur Vorbereitung der Lehrer*innen in verschiedenen Schulgattungen auf den altersgemäßen Umgang mit den Schönwerth-Märchen sind zwei begleitende Arbeitshefte erschienen, herausgegeben von der Schönwerth-Gesellschaft in Zusammenarbeit mit Pädagogen:

Ein Leseheft mit Wissenswertem über Schönwerths Leben, seine Sammlung und seine Bedeutung, den Sagen im  Volltext, die nur leicht überarbeitet wurden, um sie für Schüler der heutigen Zeit besser lesbar zu machen, und Bilder und Informationen über die künstlerische Umsetzung deses Sagenweges.

Ein Begleitheft für Lehrer*innen mit pädagogischen Empfehlungen zu jeder einzelnen Sage für die Gestaltung des Unterrichts oder auch für die Führungen im Sagenweg selbst.

Hier sind auch die Inhalte der Tafeltexte im Pavillon noch einmal abgedruckt, z.B. über die Situation von Gesellschaft und Landwirtschaft in der Mitte des 19. Jahrhunderts mit einer Übersichtskarte über den Verlauf des Sagenwegs.  

Siehe auch: Schönwerth in der Schule

6.  Der Sagenweg

Am Anfang des Sagenweges steht ein Informationspavillon mit Wissenswertem über Schönwerth, seine Zeit, den Niedergang der dörflichen Ordnung und das Aufkommen der Industrialisierung. Daneben werden auch die Künstler hier vorgestellt und außen eine Anzahl von Sprichwörtern, die Schönwerth in großer Menge gesammelt hat.

Von hier aus beginnt der Sagenweg im Zottbachtal direkt neben dem Flüsschen Zott mit künstlerisch gestalteten Skulpturen für jede ausgewählte Sage. Davor steht jeweils eine kleine Tafel mit dem Kurzinhalt (der Sage), dem beteiligten Künstler und seinem benutzten Material sowie einem Denkanstoß für die Besucher, die ohne Führung hier wandern. Außerdem kann mit den QR-Code diese erzählte Sage in deutsch und in tschechisch abgerufen werden.

7.  Die Stationen

Auf  der gesamten Strecke sind sieben Sagenstationen von Künstlern der Region gestaltet worden. Die ausgewählten Geschichten stammen aus Schönwerth-Märchen und Sagen, vor allem von jenen, die in der Gegend von Neuenhammer von Schönwerth und seinen Gewährsleuten gesammelt bzw. aufgezeichnet wurden.

Station 1: Im Rachen des Wassermanns

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Skulptur: Günther Mauermann
Foto: Erika Eichenseer

Ein sonniger Dorfteich lockte viele schöne Mädchen zum Baden herbei. Wenn sie herausstiegen, waren sie immer noch schöner als vorher. Die Mädchen aus dem Dorf wurden eifersüchtig und neidisch, sie badeten auch, doch bei ihnen wirkte der Zauber nicht. Viele von ihnen ertranken sogar. Die jungen Männer aus der Nachbarschaft kamen gern zu den Schönen, bald entspannen sich Liebeleien, und schließlich bestimmten sie alle zusammen einen Hochzeitstag.

In der Nacht nach dem großen Fest aber hört man fürchterlichen Lärm in den Brauthäusern, die Türen fliegen auf, und die entsetzten Dorfbewohner müssen mit ansehen, wie die jungen Männer ihre Frauen an den Haaren aus dem Haus werfen, sie stoßen und schlagen und schließlich wegrennen.

In der Nacht war klar geworden, dass die Mädchen keinen rechten Frauen waren, sondern einen schuppigen Fischschwanz hatten. Sie waren alle Nixen. Der herbeigerufene Richter entschied, dass die falschen Bräute alle auf dem Scheiterhaufen brennen sollten.

Als die Flammen schon hoch lodern, wirft der Teich hohe Wellen, und es erscheint  das riesige Haupt des Wassermanns, der mit einer Wasserfontäne den Scheiterhaufen löscht. Die geretteten Nixen tänzeln auf dieser Wasserbrücke in den Rachen des Wassermanns wie durch ein großes Tor hinein und sind in Sicherheit. Seitdem baden keine Mädchen mehr in dem Dorfteich. Neuenhammer. (Text speziell für das Abhören in QR-Code verkürzt)

--> Tschechisch

Der Künstler: Günter Mauermann

Der Künstler, 1938 im Sudetenland geboren, hat landesweit in vielen Orten mit Skulpturen, Brunnenanlagen, Denkmälern und Platzarchitekturen den öffentlichen Raum gestaltet. Gleichsam aus der herben Landschaft der nördlichen Oberpfalz heraus geschlagen hat er seine Skulpturen zu den Sagenmärchen Die goldene Schuppe und Im Rachen des Wassermanns. Motive aus Sagen und Märchen sowie Geschichtliches aus den Orten der Region beeinflussten von jeher den bildhauerischen Erzählfluss des mehrfach ausgezeichneten Künstlers, zu dessen bevorzugten Materialien Stein, Metall, Holz, Ton und Glas gehören. Nach wie vor arbeitet der Bildhauer in den Steinbrüchen des Oberpfälzer Waldes und beteiligt sich an Projekten und Ausschreibungen.
(Foto: Erika Eichenseer)

 

Station 2: Des Windes Heulen

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Skulptur: Engelbert Süß 
Foto: Jakob Eichenseer

Ein arbeitsuchender junger Mann irrt müde, hungrig und durstig durch den Wald. Da lädt ihn eine Quelle zum Trinken ein, dort schöpft eine wunderschöne Frau auch gerade Wasser. Sie fragt ihn, woher er komme und wohin er gehe, und er berichtet treuherzig, dass er auf Arbeitssuche ist. „Die kannst du bei mir auch haben!“ sagt die Schöne, und er bleibt bei ihr. 

Aus der Begegnung wird Liebe, die beiden verloben sich, doch da sagt das Mädchen: „Du darfst an keinem Donnerstag nach mir sehen oder fragen." Der Junge verspricht es, und die beiden bleiben zusammen. 

In den folgenden fast vierzehn Jahren befolgt er ihre Bedingung ohne Nachfrage, und sie freuen sich über die sieben Knaben, die sie ihm geboren hat.

Doch dann wird er argwöhnisch und eifersüchtig, und er schaut an einem Donnerstag durchs Schlüsselloch in ihr Gemach. Da sieht er sie in einer großen Badewanne sitzen mit einem schuppigen Fischschwanz. Entsetzt wendet er sich ab. Als sie sich ihm am nächsten Morgen ahnungslos voll Liebe nähern will, stößt er hervor: „Mit einem Drachen will ich nicht verheiratet sein!“ Sie weint bitterlich. „Hättest du doch die kurze Zeit noch ausgehalten, wäre ich erlöst gewesen, so aber muss ich bis zum Jüngsten Tag in der Luft herumfliegen. Des Windes Heulen wird meine Stimme sein, der wirbelnde Staub meine Speise, meine Tränen mein Trank."

Er kann sie nicht mehr zurückholen. Seitdem fliegt sie mit ihren Kindern zusammen immer in der Luft, ihre Stimmen hören wir als feine Klagelaute, wenn der Wind ums Haus fegt, an Erlösung ist aber nicht mehr zu denken. Dümpfel. (Text speziell für das Abhören in QR-Code verkürzt)

--> Tschechisch

--> Installation der Nixe: Bericht und Bilder von Josef Pilfusek

Der Künstler: Engelbert Süß

Der 1949 in Mitterteich geborene Künstler arbeitet in Pfreimd. Glas, Bronze und Keramik sind seine bevorzugten Materialien. „Am vollkommensten ist ein Kunstwerk dann, wenn es sich auf das Wesentliche beschränkt, da nur dann die gesamte Schönheit eines Stückes zum Tragen kommt.” Viele erzählende Bronzebrunnen hat er geschaffen, abstrakte Hinterglasmalereien, Glasskulpturen und Fenster für sakrale Gebäude. Die hier vorgestellten Oberpfälzer Märchen beschäftigen sich mit den Ängsten und Sehnsüchten des Menschen, aber auch mit der Natur, die man wertschätzen, schützen und pflegen muss. Die Besucher sollen zur Ruhe kommen und Märchen und Natur erleben und begreifen.
(Foto: Jakob Eichenseer)

Station 3: Die goldene Schuppe

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Skulptur: Günter Mauermann, Foto: Erika Eichenseer

Ein armer Hirtenjunge findet zufällig im Brunnen einer Burg eine goldene Schuppe. Als er sie reibt, steht plötzlich die junge Gräfin vor ihm, aufreizend und schön. „Du bist mir lieber als der alte Graf!“ sagt sie, doch der Graf hat es gehört und wirft den Jungen in den Abgrund. Wie durch ein Wunder ist er nicht tot, flieht von diesem grausigen Ort und kommt schließlich zu einem Klausner, der ihn gerne als Helfer aufnimmt. Mit Hilfe der Schuppe kann er die Burgfrau wieder herbeiholen, doch betört sie ihn so, dass er nicht mehr weiß, was er tut. Als er aus dem Taumel aufwacht, ist die goldene Schuppe verschwunden, sie war das Pfand, mit dem ihn die Nixe locken wollte.  

Krank vor Liebe bleibt der Junge in den guten Händen des Klausners, der mit Recht annimmt, dass er sein eigenes Kind ist. Der missgünstige Graf ist des Klausners Bruder, der ihn um Hab und Gut gebracht hatte.

Als der Junge wieder gesund ist, führt ihn sein Weg wieder zu dem Brunnen, darin liegt die verführerische Gräfin mit goldenen Schuppen-Fingernägeln und einem wertvollen Gürtel, den sie löst und über sich schwingt. Der Junge hat Angst, dass ihm wieder etwas Böses geschehe, entreißt ihr den Gürtel und rennt zu seinem väterlichen Freund, dem Klausner.

Der hat Besuch von seinem Bruder, dem Grafen. Als er den Gürtel sieht, steigt die mörderische Eifersucht wieder in ihm auf, er will den Neffen zum zweiten Mal töten, doch es gelingt ihm wieder nicht.

Die Wasserfrau kann ohne den Gürtel nicht erlöst werden, sie fällt den Meerwölfen zum Opfer. Nachdem der Graf in Wahnsinn verfallen und sein Bruder gestorben war, wurde der Junge der Nachfolger auf der Burg, doch auch er ist nicht glücklich geworden.  Lind.
(Text speziell für das Abhören in QR-Code verkürzt.)

--> Tschechisch

Station 4: Der Mond im Brunnen

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Skulptur: Engelbert Süß
Foto: Erika Eichenseer

Man darf kein Wasser aus einem Brunnen schöpfen, in das gerade der Mond scheint, sonst schöpft man den Mond mit. So erzählen sich die Leute. Eine Magd wusste das nicht und schöpfte Wasser zum Brotbacken aus einem mondbeschienenen Brunnen. Als sie den Teig geknetet und die Laibe in den Ofen eingeschoben hat, da wird plötzlich der Mühlbach reißend, sein wildes Wasser dringt in den Backofen und schwemmt gerade jenen Laib hinaus, in den der Mond hineingebacken ist. Wie nun der Laib einige Zeit auf dem Wasser daher schwimmt, weicht der Teig auf und der Mond schaut heraus. Doch dann entstand sogleich ein starker Nebel und hob den Mond wieder an den Himmel. Neuenhammer. (Text speziell für das Abhören in QR-Code verkürzt)

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--> Tschechisch

--> Bildergalerie

Station 5/1: Zwei Köpfe und kein Fuß

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Skulptur: Thomas Simon  (Foto: Karin Simon) 

Holzfräulein sind gutartige Waldgeister, die in den Wäldern leben, spinnen und weben. Trotzdem sind sie großen Gefahren ausgesetzt, z.B. der Wilden Jagd, die sie hetzt und vernichten will. Nur wenn sie einen frisch geschlagenen Baumstamm finden, in den ein Runenkreuz geschlagen ist, sind sie in Sicherheit. 

Im Böhmerwald waren zwei Kohlenbrenner. Wie es einmal recht kalt war, sind sie beide in einen Sack gekrochen, einer den Kopf oben, der andere unten heraus. So sind sie im Wald gelegen.

Währenddessen zieht die Wilde Jagd mit großem Getöse vorbei und hetzt ein kleines Holzfräulein vor sich her.  Es weiß um den Zauber und setzt sich auf einen mit dem Zeichen versehenen Baumstrunk.

Auf einmal sieht es den Sack mit den zwei Köpfen. Da sagt es zu sich: „Solche Leut habe ich noch nie gesehen mit zwei Köpfen und keinem Fuß! Ich kenne den Böhmerwald jetzt schon neunmal als Wiese und Feld und neunmal als Wald, aber so etwas kenne ich nicht. Das muss ich meiner Mutter sagen, die ist nochmal so alt wie ich!“ Bärnau. (Text speziell für das Abhören in QR-Code verkürzt)

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Station 5/2: Ulerl, geh heim

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Holzfräulein, Hulzfraal, weise Frauen, leben in der Ehe mit einen Hulzharl, einem Holzherrn zusammen und bekommen auch Kinder. alle so klein wie sie auch. Sie helfen gern als Arme Seelen in ihren angestammten Häusern aus, aber man darf ihnen dafür nur geringen Lohn geben: einen Apfelbutzen, eine Fischgräte oder ein Kuchenbrösel. 

Ein Bauer ging wie gewöhnlich als Wilddieb auf den Ansitz. Einmal lief ein kleines Ding auf ihn zu, er fing es auf und nahm es mit heim.  Weil es aber wild tat, nahm der Bauer einen Strick, setzte es auf den Ofenhals und band es wie ein Hündlien an. Nach zwei Tagen kam dr Hulzharl, ihr Mann und rief ungeduldig: „Ulerl, geh heim, das Bulerl greint“! – Sie hatten ein Kind namens Bulerl, das vor Hunger weinte. Da sagte das Weiberl: „Ich kann nicht, bin angebunden.“ - „Warum bist du angebunden?“ – „Weil ich ihnen nicht alles sage, was sie wissen wollen.“ - „Was wollen sie wissen?“ –

„Was der Misthaufen bedeutet (Reichtum),

was das Haar in der Bürste aussagt (sinnliche Reize) und

wozu man eine Hauswurz braucht (Heilung).“

Darauf erbarmte sich die Magd und ließ das Holzfräulein frei, das am Ende sagte: „Hinfort wird Glück und Segen auf dir und deinem Haus ruhen und es wird nimmer morsch werden. Und so war es auch. Fichtlberg.  (Text speziell für das Abhören in QR-Code verkürzt)

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--> Tschechisch

Station 5/3: Die drei Spindeln

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Hulzfral, Holzfralerl, Holzweibl sind nur so groß wie drei Schuh, unbekleidet, doch weben sie sich Umhänge aus Baummoos oder Baumflechten. Hulzfraal, Holzfralerl oder Holzweiberl heißen sie und sie sind gern gesehen in den Häusern, weil sie arbeiten und helfen. Sogar Kinder können sie erziehen. Wenn man ihnen Gutes tut, sind sie dankbar, schenken übernatürliche Gegenstände wie hier drei Zauberspindeln.  

Eine junge Bauernmagd war schwanger geworden und wurde von ihren Eltern aus dem Haus gejagt. In ihrer Not rannte sie in den Wald und setzte sich weinend auf einen Baumstumpf, in den drei Kreuze geschlagen waren.

Da kommt die Wilde Jagd johlend daher und hetzt das Holzfräulein fast zu Tode. Es sucht den Baumstumpf, der ihm Zuflucht geben konnte. Das unglückliche Mädchen, das darauf sitzt, springt auf und überlässt seinen Platz dem kleinen Wesen.

„Warum weinst du?“ Das Mädchen erzählt von seinem Unglück, und das Holzfräulein nimmt es mit in seine moosige Baumhütte, wo noch zwei jüngere Holzfräulein mit Spinnen beschäftigt sind. Dort findet es Ruhe und Arbeit in dem behaglichen grünen Raum, bis ihr Kind geboren ist.

Mit größter Fürsorge pflegen die drei Spinnerinnen das Kind, und als die Zeit reif ist, dass die junge Mutter wieder zu den Menschen gehen soll, schenken sie ihr drei Zauberspindeln, die ihr Glück bringen werden.

Der Abschied war schwer. Ihre Eltern waren von Gram verzehrt und nahmen ihr Kind mit Freuden wieder auf, der Sohn blieb bei den Holzfräulein und wurde zu einem anständigen Menschen erzogen, und schließlich heiratete sie einen guten Mann, mit dem sie glücklich leben konnte.

Die Zauberspindeln aber verwahrte sie gut ihr ganzes Leben lang. Sie hat sie nie gebraucht. Seitenthal. (Text speziell für das Abhören in QR-Code verkürzt)

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Der Künstler: Thomas Simon

(Foto: Karin Simon)
Der Künstler, 1953 im Schwarzwald geboren, lebt jetzt in Lupburg. Er erhielt seine Ausbildung zum Holzbildhauer in Freiburg, studierte an der Akademie in Stuttgart bei Prof. Hrdlicka im Studiengang „Figurales Gestalten" und machte 1980 sein Abschlussdiplom. Danach entwarf und fertigte er Marionetten in einer Holzspielzeug Manufaktur in Stuttgart, die sich auch an der Weltausstellung in Japan beteiligte. Er ist Gewinner des Gemeinschafts- Kleinkunstpreises Baden-Württemberg und arbeitete dann als freier Künstler. Ab dem Jahr 2000 setzt er sein handwerkliches Können als Restaurator in der Denkmalpflege ein und führt auch Auftragsarbeiten als Bildhauer aus.

Station 6: Im Bann der Wasserfrau

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Skulptur: Jeff Beer
Foto: Erika Eichenseer 

Die Wasserfräulein sieht man nur zur Mittagsstunde oder um Mitternacht, bei Sonnen- oder Mondlicht auf dem ruhigen Wasserspiegel oder in der Wiese liegen oder tanzen, stets in verführerischer Stellung. Ihre Haare sind ganz hellblond oder rabenschwarz, bekleidet sind sie nur mit einem Schleier aus leuchtenden Wasserfarben und Blumenkränzen.

Ein reizendes Wasserfräulein lockt einen feschen Bauernsohn in ihr nasses Element, während der Vater seiner Arbeit nachgeht. Der Junge kann ihrer Verführung nicht widerstehen, er steigt ins Wasser und wird von der Nixe hinuntergezogen. Dort muss er für das schöne Fischmädchen Holz hauen und in ihrem Glas-Stübchen Ordnung halten. Für den Vater und den kleinen Bauernhof scheint der junge Mann verloren. Doch der Vater gibt nicht auf. „Gib mir meinen Sohn wieder!“ fleht er. Und er bietet dem Fräulein alles, was es haben will. Wirklich lässt es sich erweichen und gegen eine Ladung Lebensmittel gibt ihren Diener wieder frei. Seitdem tanzen sie wieder in den Auwiesen, die schönen Wassermädchen. Neuenhammer. (Text speziell für das Abhören in QR-Code verkürzt)

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--> Tschechisch Stanice 6

Der Künstler: Jeff Beer

Der Künstler Jeff Beer wurde 1952 in Mitterteich geboren. Er arbeitet als Bildhauer, Grafiker und Maler, Fotograf, Schriftsteller, Musiker und Komponist. Seine Universalität hat ihm schon viele Preise und Ausstellungen Einladungen, auch internationale, eingebracht. In seiner plastischen Arbeit ist das Eisen sein bevorzugter Werkstoff. Unter anderem schafft er großformatige Skulpturen für den öffentlichen Raum. Er lebt und arbeitet in Gumpen bei Falkenberg in der Oberpfalz, doch auch viele Städte in den USA, Russland oder Tschechien sind seine Heimat geworden.
(Foto: Sibylle Hoessler, Berlin)

Station 7: Die feindlichen Köhler

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Skulptur: Axel T Schmidt, Foto: Axel T Schmidt

Die beiden Köhler Hinz und Klaus waren Brüder, die hüben und drüben am reißenden Zottbach ihre Kohlenmeiler stehen hatten.  Hinz arbeitete wenig und fluchte viel, wurde aber reich dabei. Klaus dagegen schuftete von früh bis spät und fluchte nie, blieb aber arm und hatte immer Unglück, denn es brannte ihm ein Meiler um den anderen ab. Durch Neid und Hohn und Missgunst entstand bald eine böse Nachbarschaft zwischen ihnen. Wieder einmal bricht Feuer aus im Meiler vom Klaus. Da beobachtet seine Tochter, wie eine Ameise über den Bach gelaufen kommt und den Meiler ihres Vaters geschwind umkreist. 

Gleich darauf bricht das Feuer aus. Das geschieht ein paarmal hintereinander. Voller Wut schlägt Klaus mit einem Stock auf die Ameise ein, da hört man Hinz ganz jämmerlich in seiner Köhlerhütte schreien: „Hör auf“ – Hör auf!“ Doch Klaus schlägt noch wütender, die Nachbarn laufen herbei und wollen Hinz helfen. Als Hinz schwarz und blau im Gesicht wird und zu röcheln anfängt, sind sie entsetzt und wollen einen Grund dafür wissen. Drüben am Bach steht der keuchende Klaus mit seiner Stange, von der Blut läuft.Ohne Ortsangabe. Winkler S.45  (Text speziell für das Abhören in QR-Code verkürzt)

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--> Tschechisch            

--> Bilder

Der Künstler: Axel T Schmidt

Foto: XLT © DIE HERDE

Der 1959 in Monheim / Bayern geborene Künstler lebt und arbeitet bei Weiden in der Oberpfalz. „Ich stelle meine Welt auf die Beine, dazu sind mir alle Mittel und Materialien recht!" Aus fragilem Schaumglas, transparentem Glas und Metall ge- fertigt steht der Köhler-Kegel für das komplexe Verhältnis der beiden Nachbarn Hinz und Klaus und lädt dazu ein, selbst Position zu beziehen.

8.  Schönwerth und seine Zeit

9.  Weitere Anregungen

Neue Ideen, praktische Vorschläge und Werkanweisungen für die Benutzer stehen hier zur Verfügung. So können Eltern, Lehrer, Betreuer, Ausbilder, Psychologen, Therapeuten oder ganz einfach Märchenbegeisterte Anregungen bekommen zu weiter- oder zielführenden Arbeiten.