Bewusstseinswissenschaften - Schattenkompetenzen aus der Quelle einer lebensfähigen Bewusstseinshaltung

Erika Eichenseer:
Märchenideen zur Werteerziehung
am Beispiel der Märchen aus der Sammlung von Franz Xaver von Schönwerth (1810 - 1886)

Die hier angeführten Märchen sind zu finden in
Franz Xaver von Schönwerth: "Prinz Roßzwifl", herausgegeben von Erika Eichenseer

1 - Ungewissheitstoleranz

Hans Dudldee (S. 46)

Drei Söhne machen sich auf den Weg, ihr Glück zu suchen. Bald wird der Jüngste, der Dummling, von den Brüdern verdrängt. Unentschlossen sitzt er am Ufer eines Sees, hungrig, freudlos, planlos.
Während die Brüder ihrem Schicksal nicht entkommen können, findet Hans in einem kleinen Fischlein seinen Retter, der ihm den Weg weist zu dem Zauberschlüssel, zur richtigen Beantwortung der Rätselfragen und schließlich zu der verwunschenen Prinzessin, der hässlichen Kröte, mit der er letztlich glücklich wird.

2 - Anerkennungsabhängigkeit

Aschenflügel --> Text

Ein liebes, braves Waisenkind wird von seinen hässlichen Stiefschwestern und deren Mutter in die Enge getrieben und hungert nach Liebe des Vaters.
Erst ein Männlein am Brunnen gibt ihm Selbstvertrauen und ein wunderschönes Aussehen, das natürlich Männerblicke anlockt.
Mit dem bekannten Trick vom angeklebten Schuh findet der Protagonist die richtige Braut, sie aber die Anerkennung, die letztlich jeder Mensch braucht.

3 - Genuss und Genügsamkeit

Das Daumennickerl --> Text

Ein Kind, und sei es nur so groß wie ein Daumen, war der sehnlichste Wunsch eines Bauernehepaares. Sie bekamen das lustige, listige Daumennickerl, das durch Witz und Schläue unglaubliche Abenteuer überwinden kann und am Ende wieder frohgemut in der Hutkrempe des Vaters landet.

4 - Humor und Heiterkeit

Der Plauderer - Seite 245

Ein einfältiges Bäuerlein soll seine Kuh am Markt verkaufen, so will es seine Frau, doch sie schärft ihm ein, dass er sie nicht an einen Plauderer geben dürfe. Er befolgt ihren Rat nur zu gut, und deshalb hat er seine Kuh auch nicht verkaufen können.
Voll Ärger wendet er sich an einen sehr schweigsamen Mann auf einer Brücke und verkauft ihm das Tier, ohne gleich das Geld zu verlangen. Zu Hause stellt sich sehr bald heraus, dass er die Kuh dem Brückenheiligen Johannes Nepomuk verkauft hat, und dafür bekommt er die bittersten Vorwürfe seiner Frau. Der Bauer gibt sie weiter an den stummen Käufer, und nachdem sich der nicht dazu äußert, schlägt er ihm mit seiner Peitsche den morschen Kopf ab. Wer hätte gedacht, dass in dem hohlen Kopf ein ganzer Geldschatz verborgen war!

5 - Respekt

König Goldhaar - S. 17

Der Kronprinz mit goldenen Haaren macht sich des Todes schuldig gegenüber seinem Vater. Nur mit Hilfe seines alter ego, dem Riesenmann, kann er alle Herausforderungen bestehen. So hat er gelernt, mit Liebe, Reichtum, Sexualität und Macht umzugehen und ist somit bereit, König zu werden. Das hat er seinem Respekt zu dem Riesenmann zu verdanken, somit auch dem Respekt vor sich selbst.

6 - Authentizität

Das Portrait - S. 42

Ein armes Waisenkinderpaar wird auseinandergerissen. Nur das Bildnis seiner geliebten Schwester bleibt dem Bruder in der Fremde.
Sein neuer Herr verliebt sich unsterblich in dieses Bild, er möchte das Mädchen kennen lernen und heiraten. Doch vor einem schnellen Glück steht seine eifersüchtige böse Mutter, die das schöne Mädchen verderben will. Erst ein Spiegel schafft Klarheit. Als der zertrümmert ist, kann die rechte Braut erscheinen, und die Bösen werden bestraft.

7 - Freundschaft

Das starke Band - S. 69

Ein junger Mann wird auf seiner Reise um die Welt mit seiner Mutter von einem unbekannten Schlossbewohner reich beschenkt: ein zauberisches Armband würde ihm Glück bringen. Doch das Glück des Jungen fordert Neid und Ablehnung seiner Mutter und des unbekannten Mannes heraus. Sie wollen ihm Schaden zufügen, doch das Band schützt ihn.
Auf seinen Jagdzügen schont er einen Hasen, einen Fuchs und einen Bären, die ihm dankbar folgen. Mit ihrer Hilfe übersteht er den ersten Mordversuch.
Um den Preis der schönen Prinzessin soll er einem Drachen seine 7 Köpfe abschlagen; mit Hilfe seiner treuen Tiere gelingt auch das. Doch jetzt ist die Reihe an ihm: er muss nun seinerseits die Seele der verwunschenen Tiere erlösen.

8 - Fürsorglichkeit

Die verwunschene Krähe - S. 17

Aus Dankbarkeit einer Krähe gegenüber verspricht ihr ein Reiter eine seiner 3 Schwestern zur Frau. Nur die Jüngste kann sich das Tier als Bräutigam vorstellen. Doch bei der ersten Prüfung vereitelt die Neugier der Schwestern die Erlösung der Krähe. Das Mädchen nimmt in der Stadt die niedersten Arbeiten und jede Demütigung auf sich, um die Krähe bei sich zu behalten. Diese steht ihr in allen Lagen bei, sie gewinnt an Anerkennung und Schönheit und Beachtung und erlöst somit den verzauberten Krähenprinzen.

9 - Fehlerfreundlichkeit

Die goldene Bramasche - S. 38

Die böse Stiefmutter verlangt von ihren ungeliebten Stiefkindern etwas Unmögliches: die goldene Bramasche zu bringen. Das Mädchen kommt nicht zurück. Der Junge aber findet ein kleines Pferd, mit dessen Hilfe er nach einem Rückfall alle unglaublichen Schwierigkeiten und Gefahren bestehen kann.

Dieses Märchen ist unvollständig notiert und kann mit Hilfe der Kinder in verschiedener Weise gelöst werden.

10 - Vergebungsbereitschaft

Der Höydl - S. 231

Ein wandernder Handwerker ist zum Verbrecher geworden. Er schnitzt für jede Untat eine Kerbe in seinen dürren Wanderstecken. Gegen Ende seines Lebens sucht er Vergebung zu erlangen, doch kein Geistlicher kann sie ihm geben. Ein frommer Einsiedler stellt ihm die Aufgabe, seinen Stecken einzupflanzen und davor zu beten. Wenn das dürre Holz austreibt und Frucht trägt, ist er erlöst, wenn nicht, dann nicht.
Der Höydl lässt sich darauf ein und wird erlöst.

11 - Gelassenheit

Nicht zornig werden - S. 253

Drei Brüder ziehen mit ihrem gesamten Heiratsgut nacheinander aus, um sich in der Welt umzusehen. Alle kommen zu einem listigen Pfarrer, der es auf ihr Geld abgesehen hat. Durch eine faule Wette kommen die ersten Brüder um ihr Hab und Gut. Der dritte Bruder aber, der Dummling, überlistet den Pfarrer durch seine Gelassenheit und Schläue und bringt nicht nur das Geld von sich und seinen Brüdern nach Hause, sondern auch noch den Wetteinsatz des Pfarrers.

12 - Anspruchsrelativierung

Der Zaunkönig - S. 90

Bei der Wahl des Königs der Vögel sollte der gewinnen, der am höchsten hinauffliegen konnte. Der Adler erhob sich am höchsten, doch hatte er nicht bemerkt, dass sein ein Zaunkönig in seinem Gefieder versteckt hatte. So sollte er König werden.
Nur mit knapper Not entkam er dem Zorn der anderen Vögel. Für seine Missetat muss er seither unten an den Zäunen herumfliegen.

 

 

Märchen können einen Weg freimachen für Werte in die Seelen der Kinder.