Kräuterbuschen zu Mariä Himmelfahrt im Walderlebniszentrum Sinzing

Die Tradition des Sammelns von "Kräuterbuschen" ist in unserer Gegend nicht in Vergessenheit geraten. Neben Kräutern gehören auch Gräser, Sträucher, ja sogar Bäume in den Strauß, der zu Mariä Himmelfahrt geweiht wird und das ganze Jahr über großen Segen in Haus und Hof bringt. So werden die getrockneten Kräuter dem Vieh ins Futter gemischt, oder man räuchert mit ihnen das Haus gegen böse Geister aus, und wenn sie ganz verdorrt sind, übergibt man sie dem Feuer.

Pünktlich vor dem großen Frauentag am 15. August hatte die Leiterin des Walderlebniszentrums Sinzing, Frau Kathrin Düser, zum Kräuterbuschenbinden eingeladen. Dabei ging es um das Suchen und Erkennen der heilsamen Pflanzen und um das Wissen über die traditionellen Heilmittel. Auch von Abwehrzauber und Hexenkräutern war die Rede, und da konnte Erika Eichenseer natürlich aus dem Schatz Schönwerths so einiges beitragen.

20 Leute waren es, Familien mit Kindern, die interessiert die Wegraine absuchten, die gefundenen Pflanzen oder "Unkräuter" zu schönen Buschen banden und am Ende mitten im abgemähten Kornfeld im Kreis niederlegten (Bild oben) und ihre mitgebrachten Kuchen verzehrten. Ein geruhsamer Nachmittag, an dem auch der Zauber der Kräuter in der sommerlichen Luft lag.

Hier einige Beispiele aus der Sammlung von Schönwerth (1810-1886) zum Großen Frauentag:

Verschiedene Kräuter und Pflanzen im Volksbrauch
Unter den Kräutern an Mariahimmelfahrt finden sich: Kleppen, Alte Anferl, Schreikraut, Fuchsschwänze, Drakaschurren, Siebenzeit, Honigbeerlaub und viele Sorten Gartenblumen, wie man sie eben hat. Diese Kräuter werden in folgenden Nächten dem Vieh unter das Futter gegeben und wird damit geräuchert: Andreasnacht, Nikolai-, Thomasnacht, Hl. Abend, Neujahrs-, Hl. Dreikönig-, Georgi-, Walburgi-Nacht.
Dies geschieht deshalb, damit das Vieh nicht verhext wird. Auch läßt man Laub von Haselnußstauden weihen und verbrennt es dann während eines Gewitters; desgleichen Kreuzdorn und peitscht dann damit das Butterfaß, um die Hexe auszutreiben. (Tirschenreuth).
An Maria Himmelfahrt ist die Kräuterweihe und es werden zu dem Büschel, das in die Kirche getragen wird, neunerlei Gewächse genommen; z. B.: rote Rübenblätter, Haber, Gerste, Frauenblätter, Rolfl, Kreuzdorn, Krenblätter, Salbei, Ispen.
Dieses Büschel wird fleißig aufbewahrt und ist ein Mittel gegen Verhexung und Wetterschlag. Beim Abschnitte wird den Dienstboten eine bessere Kost gereicht, sonstige Gebräuche sind hier nicht bekannt. (Pleystein).

Mittel gegen Beschreien
Hinsichtlich der kleinen Kinder aber ist zu Fünfstetten und den umliegenden Orten der Glaube an das Beschreien der Kinder noch allgemein. Wenn nämlich die Neugeborenen und bis auf ein oder zwei Jahre alten Kinder oft oder immerwährend schreien und sich durch den sogenannten Zuller oder Schnuller/:Saugtüchchen, das mit gekauter oder geriebener Semmel und Zucker gefüllt ist:/ nicht stillen lassen, so lecken die Mütter dem Kinde an der Stirn. Ist die Stirn des Kindes bitter, so ist es beschrien und in diesem Falle nimmt man Beschreikräuter, kocht solche wie Teekräuter und wäscht mit diesem Tee nicht nur die Stirn, sondern auch das Gesicht und den Kopf, manchmal den ganzen Körper des Kindes. Diese Beschreikräuter sammeln die Hebammen und mehrere Mütter, die solche kennen, im Frauen Dreißiger vom 15ten August bis 14ten September auf den Wiesen, auf Rainen und neben Hecken, und habe ich darunter das Kraut "Ehrenpreis", eines der heilsamsten bei uns wachsenden Kräuter, erkannt.

Der Teufel als Liebhaber
Eine Maid von der Heigamühle bei Pressath weinte auf dem Felde, Flachs grasend, weil sie zu Hause kein gutes Brot zusammen brachte. Da trat ein Jäger hin und gab ihr Kräuter, die solle sie in den Teig tun, so werde ihr das Brot geraten. Aber sie solle ein Laibchen besonders für ihn backen und ihm bringen. Wie er fortging, sah sie, dass ein Fuß nicht recht war. Sie machte schönstes Brot, in das Laiblein buk sie aber von ihrem Frauenbüschel Kinderl, Schafgarbe und Rollkraut hinein.
Das brachte sie ihm und teilte es mit ihm und gab ihm die Erlaubnis, des Nachts zu kommen.
Sie hatte aber von ihrer Hälfte gegessen. Daher konnte der Teufel nicht zu ihr rein und saß auf dem Schweinestall, immer rufend:
                   Kinderl, Schafgarben und Rollkraut
                   haben mich bracht um meine Braut,
er tobte auch recht. Darob ward sie wahnsinnig und erhielt, weil arm, bis zu ihrem Tode das Gnadenbrot.